Die Lederhose hat eine sehr lange Tradition. Schon seit jeher gilt als Rohhautlieferant der Hirsch, da sein Fell von der Struktur und vom gesamten Aufbau der Haut her für den Zweck einer Trachtenlederhose am geeignetsten ist. Ziege und Ziegenbock sind in ihrer Struktur dem Hirsch ähnlich ergeben, jedoch handelt es sich hierbei um kein so geschmeidiges, tragefreundliches Leder. Alle Abarten von Vollrind bis Rindspalt sind für die Verwendung von Trachtenhosen von ihrem gesamten Hautaufbau und Faserstärke völlig ungeeignet, werden jedoch heute aus Kostengründen oft verwendet.

Die Gerbart ist für diesen Verwendungszweck von großer Bedeutung, wenn nicht gar vollständig entscheidend. Die Altsämischgerbung war hierfür schon immer am geeignetsten. Sie wird aber heute nur noch von der Gerberei Kolesch in Biberach durchgeführt (in ganz Deutschland), da diese Gerbung sehr zeit- und arbeitsintensiv ist. 300 verschiedene Handgriffe, Arbeiten und ein halbes Jahr sind notwendig, bis ein Leder fertig ist. Sämtliche anderen Gerbungen mit anderen Gerbstoffen und beschleunigenden Mitteln verkürzen die gesamte Gerbzeit bis auf minimal eine Woche, je nachdem, welches Verfahren angewandt wurde. Zeit ist heute Geld.

 Darunter leidet die Qualität des Leders. Die Wasseraufnahme bei altsämisch gegerbtem Leder ist weitaus höher als die DIN-Vorschrift verlangt, das hat zur Folge, dass kein Schweiß auf der Haut verdunstet, man fühlt sich wohl, da man bei warmem Wetter nicht das Gefühl hat zu schwitzen und bei kaltem Wetter nicht so schnell friert, da keine Feuchtigkeit auf der Haut verbleibt. Aus demselben Grund muss auch die Wasserdampfdurchlässigkeit sehr gut sein. Die gesamte Tragehygiene einer Hose ist hiervon fast abhängig; wenn man sich darin nicht wohl fühlt, zieht man die Hose ungern an.

Allgemein kann man sagen, umso mehr Ballaststoffe, Hilfsmittel im Leder untergebracht sind, umso weniger Bearbeitung ein Leder in seiner Herstellung erfahren hat, umso schlechter werden diese Eigenschaften. Weiterhin spielt das Gewicht eine große Rolle. Der Unterschied ist leider nur genau festzustellen, wenn zwei Hosen verschiedener Gerbarten vorliegen. Allgemein je spezifisch schwerer das Leder, umso schlechter ist die Tragehygiene. Ein weiteres Qualitätsmerkmal einer altsämisch gegerbten Trachtenhose ist seine Geschmeidigkeit. Es gibt kein Leder, das so geschmeidig ist. Das hat zur Folge, dass es nur in den seltensten Fällen zu einer sogenannten Scheuerwirkung auf der Haut und so zu Rötungen bei längeren Märschen kommen kann. Bei anderen Lederarten treten Rötungen bis Entzündungen auf der Haut sehr oft auf, noch begünstigt dadurch, dass immer eine gewisse Feuchtigkeit auf der Haut ist, die diesen Vorgang sehr starkt beschleunigt. Die Toxizität rückt heute immer mehr in den Vordergrund. Viele Menschen sind schon durch andere Umwelteinflüsse stark anfällg für Allergien wie z.B. gegen Chrom, Formaldehyd oder andere chemische Hilfsmittel, die bei modernen beschleunigten Gerbverfahren im großen Umfang verwendet werden. Diese Gefahr ist bei altsämisch gegerbtem Leder fast vollständig ausgeschlossen.

Der Preis ist meist jedoch höher als bei Wildbock, aber dieser nicht so gewaltige Unterschied sollte nicht dafür entscheidend sein, eine Trachtenhose, die auch ein Schmuckstück sein soll, in einer Qualität zu erwerben, die bedeutend geringer ist.