Hammerwalk, Walkvorgang, Handwerk, Altsämische Gerberei, Produktion, Gerberei Kolesch
Icon Zahl "Gerberei Kolesch", weiß

Herstellung

Tradition, Erfahrung und echtes Handwerk seit 1723

Das Ergebnis: Leder, das Generationen überdauert.

Werdegang eines Hirschleders von der Rohhaut bis zur fertigen Hirschlederhose

Seit jeher dient der deutsche Rothirsch als Rohhaut für das feinste aller Leder, dem altsämisch gegerbten Wildleder. Das Wort Sämischleder hat seinen Ursprung in dem niederländischen Wort “Semie” und bedeutet sehr weich. Die Sämischgerbung ist ein Zweig der sogenannten Weißgerbung, daher auch der Name der “Weißgerber-Walk”.

Der erste Schritt im Gerbprozess

Die in Salz eingelegte oder getrocknete Rohware kommt zunächst für etwa eine Woche in unser großes Holzfass. Dort werden die Häute eingeweicht und das Salz gründlich ausgewaschen.

Anschließend werden den etwa 150 Rothirsch- oder 300 Damhirschhäuten mithilfe von Bakterien und der mechanischen Walkwirkung die Haare entfernt. Danach werden die Häute mit Kalk für zwei bis drei Tage im Fass gleichmäßig vorgequollen, bevor sie zur weiteren Bearbeitung in den Kalkäscher kommen.

Die Vorbereitung des Leders

Sind die Haare entfernt, wandern die Häute nochmals für vier Wochen in den Äscher, damit als nächstes das Unterhautbindegewebe und die Narbenschicht entfernt werden können. Je länger die Häute in der Grube liegen, desto weicher wird später das Leder sein. Ist die Narbenschicht abgestoßen, halten die Gerber reines, aber noch nicht konserviertes Leder in den Händen, die sogenannten Blößen.

Durch ausgiebiges Wässern werden nun die Blößen entkälkt, d.h. der Kalk wird herausgespült. Dies geschieht heute noch wie seit Jahrhunderten durch Einhängen der Blößen in den Biberacher “Gerberbach”, welcher auch als Antrieb für die Hammerwalk dient. Dieses Wässern im Bach wird nachweislich in ganz Europa nur noch in Biberach mit Genehmigung durchgeführt. Das Wässern im Bach ohne Chemiezugabe ist unbedingt erforderlich, damit eine anschließende problemlose Gerbung in der Weißgerberwalk überhaupt noch möglich ist. Beim abschließenden Abwälken wird mit einer Auswringmaschine den Häuten das Wasser entzogen. Drei Monate dauern diese Vorarbeiten. Die Häute müssen vor dem Verfaulen bewahrt werden. Erst jetzt beginnt der eigentliche Gerbvorgang.

Ein Verfahren aus Kraft, Öl und Zeit

Die Besonderheit der Sämischgerbung im Vergleich zu allen anderen Gerbarten besteht darin, dass als Gerbstoff Dorschtran (Fettöl des Dorsches) verwendet wird. Da unsere Haut aus ca. 70% Wasser besteht , und sich Öl und Wasser nicht vertragen, musste ein Verfahren entwickelt werden, bei welchem das Öl in die Haut transportiert wird. Dies geschieht mit zentnerschweren Hämmern, die den Gerbstoff buchstäblich in die Haut hineinhämmern. Dieser Vorgang kann in der Weißgerberwalk besichtigt werden, welche die letzte ihrer Art in ganz Deutschland darstellt.

Der Walkvorgang

Die Häute werden bei einem Walkvorgang (Dauer ca. 12 Std.) immer wieder gewalke und zwischendurch im Freien aufgehängt und getrocknet. Dies alles wird öfter wiederholt, damit ein langsamer Ausgleich des Wassers der Haut mit dem Dorschtran erreicht wird. Nach ca. vier Wochen und einer reinen Walkdauer von mehreren Tagen ist der Gerbvorgang abgeschlossen und man hält das fertig gegerbte Leder in Händen.

Durch das Walken und die dabei entstehende Erwärmung wird ein Oxydationsprozess des Dorschtrans mit Sauerstoff erreicht, der den Tran in verschiedene Aldehyd-Gerbstoffe umwandelt. So wird eine bleibende Gerbung erst ermöglicht. Diese Gerbung in der Walke ist eine zeitlich sehr aufwändige, arbeitsintensive und mit viel Erfahrung verbundene Gerbart. Dies ist ein Hauptgrund, dass dieses Verfahren heute nur noch in Biberach durchgeführt wird. Alle anderen Gerbereien haben ihre Gerbung auf schnellere, einfachere und problemlosere Methoden umgestellt. Damit ist allerdings ein Qualitätsverlust in Kauf zu nehmen.

Hammerwalk, Walkvorgang, Handwerk, Altsämische Gerberei, Produktion, Gerberei Kolesch

Nachbearbeitung des Leders

Nach der Gerbung wird nun jedes Leder mit der Hand “gestrichen”. Dabei wird geprüft, ob noch Drüsen im Leder sind. Sie werden auf dem Streichbaum in Handarbeit entfernt. Der Gerber muss dabei mit viel Gefühl vorgehen, sonst bleiben Flecken und Striche zurück. Nachdem die Leder mehrmals in einem Sodabad ausgewaschen sind, werden sie zum Trocknen aufgehängt.

Stollen, Schleifen und Färben

Sind die Haare entfernt, wandern die Häute nochmals für vier Wochen in den Äscher, damit als nächstes das Unterhautbindegewebe und die Narbenschicht entfernt werden können. Je länger die Häute in der Grube liegen, desto weicher wird später das Leder sein. Ist die Narbenschicht abgestoßen, halten die Gerber reines, aber noch nicht konserviertes Leder in den Händen, die sogenannten Blößen.

Durch ausgiebiges Wässern werden nun die Blößen entkälkt, d.h. der Kalk wird herausgespült. Dies geschieht heute noch wie seit Jahrhunderten durch Einhängen der Blößen in den Biberacher “Gerberbach”, welcher auch als Antrieb für die Hammerwalk dient. Dieses Wässern im Bach wird nachweislich in ganz Europa nur noch in Biberach mit Genehmigung durchgeführt. Das Wässern im Bach ohne Chemiezugabe ist unbedingt erforderlich, damit eine anschließende problemlose Gerbung in der Weißgerberwalk überhaupt noch möglich ist. Beim abschließenden Abwälken wird mit einer Auswringmaschine den Häuten das Wasser entzogen. Drei Monate dauern diese Vorarbeiten. Die Häute müssen vor dem Verfaulen bewahrt werden. Erst jetzt beginnt der eigentliche Gerbvorgang.

Nach anschließendem Trocknen, Stollen, nochmaligem Schleifen, Nachegalisieren und anschließendem Polieren der Farbe hält man das feinste aller Leder, das altsämisch gegerbte Wildleder in Händen, welches an Qualität von keinem anderen Leder übertroffen wird.

Ein Jahr Arbeit – ein Stück für Generationen

Dieser gesamte Gerbvorgang hat nun ca. ein Jahr in Anspruch genommen und beinhaltet ca. 50 Arbeitsvorgänge. Das Leder wird dabei vom Gerber ca. 300 Mal in die Hand genommen und bearbeitet. Die Hirschleder  werden im eigenen Betrieb mit viel Liebe weiterverarbeitet. Daraus entstehen z.B. Jeanshosen, lange Sporthosen, Jacken, sowie kunstvoll bestickte Trachtenhosen für Personen, die einfach Gefallen an guter Hirschlederbekleidung finden. Auch heute noch gilt eine Hirschlederhose als ein Schmuckstück, das über Generationen weitervererbt werden kann.